Abteilung für Neuroradiologie
 Universitätsmedizin Leipzig
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Aktuelles aus der Abteilung für Neuroradiologie am UKL

Neuroradiologie am Universitätsklinikum Leipzig zertifiziert

Therapeutische Eingriffe auf höchstem Niveau

Die Abteilung für Neuroradiologie am Universitätsklinikum Leipzig hat zwei Gütesiegel der nationalen Fachgesellschaften erhalten - der deutschen Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und minimal-invasive Therapie (DeGIR), der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR) und der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG). Damit wird den UKL-Neuroradiologen ihre Expertise für Eingriffe an Kopf, Gehirn, Rückenmark und Wirbelsäule bestätigt - beispielsweise auch bei neurologischen Notfallsituationen wie Hirnblutungen.

„Wir sind eine von derzeit weniger als 30 Einrichtungen bundesweit, die zwei Gütesiegel auf dem Gebiet der Interventionellen Neuroradiologie und Radiologie erhält, die `Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für Interventionelle Radiologie` und die Bestätigung der `Qualifikation in interventioneller Neuroradiologie der höchsten Stufe` durch die nationalen Fachgesellschaften", erklärt Prof. Dr. Karl-Titus Hoffmann, Leiter der Abteilung für Neuroradiologie am Universitätsklinikum Leipzig.

In der Neuroradiologie am Universitätsklinikum Leipzig werden unter Bildsteuerung (Angiographie, Computertomographie) therapeutische Eingriffe an Kopf, Gehirn, Rückenmark und Wirbelsäule vorgenommen - ca. 150 dieser sogenannten minimal-invasiven Eingriffe jährlich, bei denen der Ausbruch oder das Fortschreiten einer Erkrankung verhindert wird.„Dazu gehört unter anderem die Notfallbehandlung von Verschlüssen oder Rissen von Blutgefäßen bei Schlaganfällen und Blutungen im Gehirn", so Prof. Hoffmann. „Wir behandeln aber auch vorbeugend unterschiedlichste Gefäßfehlbildungen und -verengungen, so beispielsweise auch Aneurysmen - lebensbedrohliche Gefäßerweiterungen -, bevor es zu einer Hirnblutung kommt."

Weitere Schwerpunkte der Abteilung sind schmerztherapeutische Eingriffe an der Wirbelsäule bei degenerativen Veränderungen oder auch die Vorbereitung von Operationen an Tumoren im Kopf- und Wirbelsäulenbereich durch eine gezielte Reduktion der Durchblutung der Krebsgeschwulst.

Rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr halten die Neuroradiologen am Uniklinikum Leipzig ihre Facharztexpertise bereit. „Wir sind dabei jederzeit interdisziplinär vernetzt mit der Neurologie, Neurochirurgie und Neurointensivmedizin", so Prof. Hoffmann.

Pressemitteilung vom 25.7.2013

Behandlung von Hirnaneurysmen trotz hohem Alter

UKL-Neuroradiologen mit minimal-invasivem Verfahren auch bei betagten Patienten erfolgreich

Aneurysmen im Gehirn sind hochgefährliche Erkrankungen. Oft bleiben diese Ausdehnungen der Blutgefäße unbemerkt, bis der Notfall - ein Riss und eine Gehirnblutung - eintritt. Mit speziellen neuroradiologischen Verfahren lassen sich diese Hirngefäßerkrankungen nicht nur im Notfall, sondern auch im Vorfeld erfolgreich behandeln. Damit können die Neuroradiologen am UKL auch betagten Patienten wirksam helfen.

Erweiterte Arterien sind eine der gefährlichsten Gefäßerkrankungen. Treten diese Aneurysmen als Folge geschwächter Gefäßwände im Gehirn auf, ist die Situation besonders schwierig. Ein Riss ist hier lebensbedrohlich oder kann zu schweren Ausfallerscheinungen und bleibenden Behinderungen führen.

„Mit steigendem Lebensalter erhöht sich auch das Risiko einer Behandlung", erklärt Prof. Dr. Karl-Titus Hoffmann, Leiter der Neuroradiologie am Universitätsklinikum Leipzig. Die Ursachen für die gefürchteten Gefäßwandschwächen sind ungeklärt, allerdings gilt Bluthochdruck als ein möglicher Faktor. Kommen dann wie bei vielen betagten Patienten weitere Begleiterkrankungen hinzu, erhöht sich die Gefahr, während die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung sinken.

„Bis vor einigen Jahren hatten wir wenig Möglichkeiten, diesen Patienten ohne zu großes Risiko zu helfen", sagt Prof. Hoffmann. Heute sind die UKL-Mediziner auch bei Patienten jenseits der 80 erfolgreich bei der minimal-Invasiven Behandlung von Hirn-Aneurysmen. Dabei kommen die Ärzte ganz ohne einen belastenden Eingriff am Gehirn aus. Über einen superfeinen Katheter werden die Gefäßerweiterungen mit speziellen Platinspiralen, sogenannten Coils, ausgefüllt und dadurch stabilisiert. Der Zugang erfolgt über die Leistengegend. „Das ist ein sehr schonendes und nach unseren Erfahrungen auch im hohen Alter geeignetes Verfahren", betont Hoffmann. Wenn notwendig, werden auch feinste Stütznetze für die Gefäße auf diese Weise angebracht. Selbst bei sehr komplizierten Gefäßveränderungen könne so der Eingriff erfolgreich durchgeführt und eine weitere Ausdehnung mit einem späteren Reißen verhindert werden.

Der Eingriff erfordert viel Erfahrung und ein eingespieltes Team aus Neuroradiologen, Intensivmedizinern und Neurochirurgen. „Gemeinsam wägen wir in jedem Einzelfall das individuelle Risiko ab und diskutieren die beste Behandlung, die heute glücklicherweise nicht mehr nur aus den Alternativen ‚Abwarten‘ oder ‚große Hirnoperation‘ besteht", so Hoffmann.

Pressemitteilung vom 7.6.2013

Schlaganfall: Verfeinerte Bildgebung zum Nachweis von Stammzellen

Leipziger Neuroradiologen haben eine Technik entwickelt mit der es gelingt, die Ansiedlung von Stammzellen bildlich darzustellen. Die vornehmlich technisch ausgerichtete Arbeit zeigt, wie sensibel die Magnetresonanztomographie (MRT) für den Nachweis von Stammzellen ist, die vorher mit kleinen Eisenpartikeln markiert wurden. Die Ergebnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift PlosOne veröffentlicht.

Bildlichen Darstellungen kommt bei der Erforschung neuer Schlaganfalltherapien eine wichtige Rolle zu. "Uns ging es darum", erläutert Prof. Karl-Titus Hoffmann, Ordinarius für Neuroradiologie an der Universität Leipzig, "ein Bildgebungsverfahren zu finden, das geeignet ist, den Effekt von regenerativen Therapien darzustellen. Nach wie vor liegt das Augenmerk auf der Akutbehandlung, also darauf, möglichst zeitnah das ursächliche Blutgerinnsel aus Hirngefäßen zu entfernen. Meiner Meinung nach ist die Therapie am bereits geschädigten Hirngewebe dagegen bis heute nicht befriedigend gelöst." Ein Weg führt dabei über Stammzellen. Die universitäre Neuroradiologie kooperiert seit langem mit dem Leipziger Fraunhofer Institut für Zelltherapie und Immunologie, das erfolgreich auf diesem Gebiet forscht. Hier wurden Stammzellen mit Nano-Eisenpartikeln (Fachbegriff: VSOP für very small iron oxide particles) markiert, um sie dann einem Organismus, in diesem Fall einem Schaf, in großer Zahl über die Blutbahn zuzufügen.

Bei der MRT-Bildgebung machten sich die Wissenschaftler zunutze, dass die Eisenpartikel bei ihrer Abbildung für eine Signalauslöschung, eine Art schwarzen Fleck, sorgen. Dieser Effekt wird sogar multipliziert, weil die Signalauslöschung größer als die markierte Zelle ist und so besonders gut sichtbar wird. Dr. Donald Lobsien von der Abteilung für Neuroradiologie der Universitätsklinik Leipzig: "Wir haben dazu eine Messtechnik verwendet, die für die Eisenpartikel in dieser Form bisher nicht genutzt wurde. Die Darstellung über den Trick der Signalauslöschung ist im Ergebnis hochauflösender, deutlich sensitiver und erfordert eine kürzere Untersuchungszeit als herkömmliche Techniken." Die Grenze, ab der eine Anreicherung nachweisbar wurde, lag in den Experimenten bei der sehr geringen Anzahl von 500 markierten Stammzellen. "Diese Arbeit liefert Grundlagenwissen", so Hoffmann, "das später auf den Menschen übertragen werden soll. Deshalb war es jetzt notwendig, die Bedingungen fortzuentwickeln vom Mikroskop im Labor auf größere Körper, ähnlich einer menschlichen Untersuchung. Das ist uns gelungen."

Stammzellen aus dem Knochenmark sind offenbar in der Lage, entweder aus der Entfernung positive Effekte auszulösen oder gezielt zu geschädigtem Nervengewebe beispielsweise im Gehirn zu wandern, um krankhaften Prozessen entgegen zu wirken. Die Forschung dazu dauert aktuell noch an. Eine Möglichkeit den Weg von Stammzellen zu verfolgen, sind die Eisenpartikel. In der nun veröffentlichten Arbeit gibt es erste Anzeichen, dass ein Stammzellennachweis direkt im vom Schlaganfall betroffenen Gehirn möglich erscheint.

Link zur Fachveröffentlichung:

http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0062644

doi:10.1371/journal.pone.0062644

Pressemitteilung vom 16.5.2013

Neuartiges Tumorboard unterstützt Krebstherapien

HNO-Ärzte nehmen am UKL innovative Informationsplattform in Betrieb

Mit Hilfe eines neuartigen computergestützten Tumorboards können die HNO-Mediziner und Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen am Universitätsklinikum Leipzig jetzt Krebsbehandlungen im sensiblen Kopf-Hals-Bereich besser planen und steuern als bisher. Die Basis dafür bildet die gemeinsam mit Informatikern des ICCAS (Innovation Center Computer Assisted Surgery) der Universität Leipzig entwickelte Software Oncoflow. Das neue System wurde am 28. Februar auf dem Workshop zur Kopf-Hals-Onkologie vorgestellt und in Betrieb genommen.

Die neue, gemeinsam mit den Klinikern entwickelte Software bündelt alle patientenbezogenen Daten und stellt diese übersichtlich und aufbereitet in der Treatment Planning Unit - TPU - zur Verfügung. Dabei können anhand der vorhandenen Bilddaten auch dreidimensionale Projektionen dargestellt werden, was die Planung von Operationen und Bestrahlungen immens erleichtert.

"Diese neue Plattform ist für uns ein ungeheuer wichtiges Werkzeug", erklärt Prof. Andreas Dietz, Direktor der HNO-Klinik am Universitätsklinikum Leipzig. „Anhand dieser Daten und Auswertungen können wir uns in unseren interdisziplinären Tumorboardbesprechungen ein sehr umfassendes Bild davon verschaffen, mit welchem Tumor wir es zu tun haben und welche Maßnahmen die besten sind."

Neben Laborbefunden, Untersuchungsergebnissen und Arztberichten fließen hier auch alle Bilddaten aus Röntgen-, MRT- und CT-Untersuchungen ein. Diese werden mit allen anderen Daten zu dreidimensionalen Modellen des Tumors zusammengeführt und auf einem Bildschirm dargestellt. Dabei berechnet das System auch die Größe und Ausdehnung des Tumors. „So können wir den Kollegen direkt die Bildbefunde vorstellen, einordnen und gemeinsam die besten Therapieoptionen diskutieren", beschreibt Prof. Karl-Titus Hoffmann, Leiter der UKL-Neuroradiologie, die Verbesserung der Arbeitsabläufe.

Bisher wurden die Daten an vielen verschiedenen Stellen verwaltet. Die Zusammenführung in einem System verschafft den Ärzten jetzt einen schnelleren und besseren Überblick. „Unsere Entwicklung basiert auf Anregungen aus der Klinik", beschreibt Dr. Thomas Neumuth, Leiter des Projektes am ICCAS. Die Ärzte suchten nach einer Möglichkeit, die vielen vorhandenen Daten an einer Stelle sinnvoll und nutzbar zu integrieren. Die Mitarbeiter im Forschungsprojekt Modellbasierte Automation und Integration (MAI) der Universität Leipzig fanden mit Oncoflow eine Lösung - eine Integration sowohl der Daten als auch der Prozesse einer onkologischen Behandlung. „Oncoflow unterstützt diesen Prozess - von der Aufnahme des Patienten bis zu dessen Nachsorge - durch die Speicherung sämtlicher Daten an zentraler Stelle", so Neumuth. Die technische Entwicklung der TPU am ICCAS sei mit Mitteln des SMWK und BMBF großzügig unterstützt worden.

Die Treatment Planning Unit (TPU) ergänzt diese Daten um eine besseres Raumkonzept und Abstimmungssysteme und sorgt so für mehr Transparenz im sich anschließenden therapeutischen Entscheidungsprozess.

„Mit diesen Instrumenten haben wir in unseren Konferenzen eine fundierte und vollständige Grundlage für die Entscheidungen über Therapieoptionen geschaffen", ist der HNO-Arzt Prof. Dietz überzeugt. „Für unsere Patienten bedeutet das eine ganz individuelle Anpassung der Behandlung an den jeweils konkreten Fall."

Pressemitteilung vom 28.2.3013

 
Letzte Änderung: 13.04.2015, 18:16 Uhr
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